Empen

Eine Nordstrander Familie

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Todesfall:

 

Unsere Mutter Agnes Empen ist am 7. Juni 2026 sanft eingeschlafen.
Oswald und Petra Empen, Herzogenaurach
Eugen und Elke Empen, Gettorf
Monika und Harald Tönnsen, Uelvesbüll
Viola und Kai Rauschning, Büdelsdorf
Guido und Nina Empen, Uhingen
Beerdigung Agnes
Die Trauerfeier und Trauerrede hielt die alt-katholische Pastorin Frau Dr. Stefanie Bokemeyer in der kath. Kirche St. Knud auf Nordstrand:
Trauerrede
Agnes Bernadine Empen, geborene Wöste, wurde am 24.10.1933 in Döthen, Bersenbrück geboren – in eine Familie hinein, in der es schon 6 Kinder gab. Eine große Familie, die sie mit Sicherheit sehr geprägt hat, denn sie war zu Lebzeiten stets gastfreundlich, hieß alle Freundinnen und Freunde, potentielle Schwiegertöchter und -Söhne ihrer Kinder immer herzlich willkommen und hielt selbst im hohen Alter regen Kontakt mit ihren 14 Enkelkindern, 17 Urenkeln und 3 Patenkinder. WhatsApp war für sie kein Problem, sondern im Gegenteil: Ein wunderbares Medium mithilfe eines Ipads, um am Leben der jüngeren Generationen teilzuhaben. Dazu spielte sie gerne Uno, Mensch-ärgere- dich nicht und Kniffel, Halma und Rommee.
Doch gehen wir noch einmal zurück in die Anfänge ihres Lebens. Geboren wurde sie in dem Jahr, indem  Hitlers Machtergreifung Deutschland und die Welt in den 2. Weltkrieg gestürzt hat und ihre ersten Lebensjahre waren durch den Krieg überschattet. Eine Brandbombe, die durch das Dach des Bauernhofes in Döthen flog, konnte Opa Döthen zum Glück aus dem Haus befördern und damit Schaden für die Familie abwenden.
1940 – mitten im Krieg begann ihre Schulzeit – ohne Schultüte, anders als es für die meisten von uns war. Doch schon mit 19 Jahren lernte sie ihren späteren Mann Gerhard kennen, einen gebürtigen Nordstrander, der beim Nachbarn in Döthen Arbeit gefunden hatte. Als Gerhard wieder zurück nach Nordstrand geht, besucht Agnes ihn zunächst und kommt dann schon 1954 mit nach Husum, um dort als Haushaltshilfe zu arbeiten. Ein kleines Zimmer – eher eine Dachkammer, bewohnte sie dort. Stets fand sie in ihrem Glauben Halt und bezog auch die Heiligen in ihre Bitten mit ein: Verlor sie etwas, bat sie den Hl. Antonius – den Helfer aller Schusseligen, um Verlorenes wiederzufinden. Für das rechtzeitige Aufstehen, war der Heilige St. Veit zuständig.
1955 heiratet dann das junge Paar und die Eltern von Agnes sind anlässlich der Hochzeit das einzige Mal auf Nordstand. Ein Jahr später wird das erste Kind Oswald geboren, im folgenden Jahr darauf Eugen, dann 1959 das erste Mädchen Monika und 1963 Viola. Der Jüngste – Guido - erblickte dann 1968 das Licht der Welt. So wie die Familie Empen wuchs und sich veränderte, bekam auch das eigene Haus im Osterkoog durch Umbauten eine neue Gestalt. Manchmal – wenn ihr Mann Gerhard auswärts Arbeit hatte – hieß das für Mutter Agnes, die Kinder, die Tiere und den Haushalt alleine zu versorgen. Selbst eine Sturmflut musste sie mit ihren ältesten Kindern meistern. Und trotzdem hat Agnes Empen auch Zeit, um mit ihren Kindern mit dem Fahrrad an den Strand zu fahren, Sport zu machen. Alle waren beim TSV Nordstrand im Sport aktiv und selbst der Küchentisch musste herhalten, wenn Mutter Agnes ihren Kindern mit dem Frühstücksbrettchen Tischtennis beibrachte.

Agnes Empen wurde durch und durch Insulanerin: Sie pulte nicht nur 10l Krabben - obwohl sie selbst keinen Fisch mochte, sondern lieber Schnitzel mit Schwarzwurzeln und Kartoffel aß – sie wehrte auch die Versuche ihres Mannes, woanders eine Arbeit anzunehmen und wegzuziehen, erfolgreich ab.
Von 1988 – 2003 schnackte sie mit dem Moderator Christian Schröder auf NDR2 über das Wetter im hohen Norden. Dies tat sie mit hohem Unterhaltungswert und bekam dabei Gelegenheit ihre Gedichte vorzutragen. Sie liebte Nordstand so sehr und war hier verwurzelt, dass sie auch ihrer Insel ein Gedicht widmete:

GEDICHT
Nordstrand ist eine Reise wert
Im Pharisäerhof Kaffee trinken ist auch nicht verkehrt.
Der Heimatverein und der Bauernmarkt sind auch da drin,
da gehen die Leute gerne hin.
Auch haben wir schöne Badestrände,
wo jeder seine Erholung findet.
Ich sage Nordstrand ist schön!
Wer hier einmal war,
möchte es immer wieder sehen!

Nicht nur das Dichten fiel ihr leicht, Agnes nähte auch gerne Kleidung und buk eifrig Kuchen, kochte wie eine Weltmeisterin und bereitete für die vielen Geschmäcker der Kinder bis zu 5 verschiedene Gemüsesorten zu. All das waren Fähigkeiten, die ihre Familie nur zu gern annahm und genießen konnte.
Mit 42 Jahren machte sich zusammen mit ihrem Sohn Oswald den Führerschein. Ihre Kinder berichteten von ihrer Lebensfreude, die nur nach dem Tod ihres Mannes Gerhard schwer auf die Probe gestellt war. Bis ins hohe Alter war sie eine kommunikative Person, die gerne einen Schnack mit den Frauen der Kirchengemeinde, beim Kegeln früher und auch dann noch, als sie im Rollstuhl saß und Menschen vorbeikamen, anhielten und mit ihr ins Erzählen kamen. Agnes Empen war durch und durch ein Familienmensch, die geduldig, herzlich und stets an ihrem Gegenüber interessiert war. Sie lachte gerne und viel.
So gaben ihre Kinder im Alter wohl gerne einen Teil zurück, was sie von ihr an Zuwendung empfangen hatten: Eine Zeit lang wohnte sie dann bei ihrer Tochter in Uelvesbüll, dann wohnte sie wieder mit pflegerischer Unterstützung in ihrem Haus im Osterkoog, bis dann im Juli 2025, nach einem schweren Sturz ein Umzug nach Husum ins DRK – Heim anstand. Die Kinder kümmerten sich und sorgten sich um sie. Immer wieder dürfen sie erfahren, dass die Mutter trotz Rückschläge sich immer wieder berappelt und einen starken Lebenswillen hat. Als sie dann nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen kann und nur noch palliativ betreut wurde, kommunizierte sie mit den Händen und Augen und konnte dann doch auch loslassen, in dem Vertrauen und der Hoffnung darauf, dass sie bei Gott weiterleben darf.
Der Spruch, den ihre Enkelkinder und Kinder an der Diamantenen Hochzeit mit ihrem Mann Gerhard gestaltet haben, fasst vielleicht gut zusammen, was sie ausgemacht hat, was ihr Lebensmotto war:
Wo Liebe ist, da ist Leben!

Bernd Empen

22.09.2026